Curriculum · Schweiz · Stand Juli 2026
Betriebliches Case Management verstehen und einführen
Dein Lernprogramm in acht Modulen — vom ersten Begriff bis zum funktionierenden Case Management im Unternehmen. Zugeschnitten auf HR-Verantwortliche in Schweizer Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden.
Worum es geht
Betriebliches Case Management (BCM) ist die strukturierte Begleitung von Mitarbeitenden, die wegen Krankheit oder Unfall länger oder wiederholt ausfallen. Ziel ist die möglichst frühe, nachhaltige Rückkehr an den Arbeitsplatz — im Interesse der betroffenen Person und des Unternehmens. Ein Case Manager koordiniert alle Beteiligten: die erkrankte Person, die Führungskraft, Ärztinnen, den Krankentaggeld-Versicherer, die IV-Stelle, bei Unfall die Suva, bei Bedarf die Pensionskasse.
Der Business Case ist klar: Langzeitabsenzen sind teuer, und je länger jemand weg ist, desto unwahrscheinlicher die Rückkehr — nach sechs Monaten Abwesenheit kehrt erfahrungsgemäss nur noch etwa die Hälfte zurück. Frühe, koordinierte Intervention ist der wirksamste Hebel. Genau das leistet BCM.
Wo BCM im Gesundheitsmanagement steht
| Instrument | Frage | Fokus |
|---|---|---|
| Absenzenmanagement | Wer fehlt wann, wie oft, wie lange? | Systematische Erfassung und Analyse aller Absenzen; Frühwarnsystem und Datenbasis. Vorstufe und Zulieferer des BCM. |
| Betriebliches Case Management | Wie kommt diese eine Person zurück? | Einzelfallbegleitung bei komplexen, längeren Ausfällen; Koordination aller Akteure; Wiedereingliederung. |
| Betriebliche Gesundheitsförderung | Wie bleiben alle gesund? | Prävention für die gesamte Belegschaft. |
| Betriebliches Gesundheitsmanagement | Wie steuern wir das Ganze? | Dachstrategie über Arbeitssicherheit, BGF sowie Absenzen- und Case Management. |
Die acht Module
- M1 · Grundlagen & MethodeDie sechs CM-Phasen, Grundprinzipien, Rollenverständnis, Fallbeispiel
- M2 · Recht SchweizLohnfortzahlung, Sperrfristen, IV-Instrumente, Datenschutz, Arztzeugnisse
- M3 · Akteure & VersichererKTG, IV-Stelle, Suva, Pensionskasse, Ärzte — wer macht was, wer zahlt wann
- M4 · Der ProzessFristenraster, Triage-Kriterien, Stufenplan, Fallabschluss
- M5 · GesprächeVier Gesprächsformate mit Leitfaden, psychische Erkrankungen, schwierige Situationen
- M6 · EinführungKonzept, Rollenmodell, CM-Stelle, Kommunikation, Schulung, Pilot
- M7 · KennzahlenDas Kennzahlen-Set, Beispiel-Business-Case, Reporting mit Datenschutz-Grenzen
- M8 · WeiterbildungCAS-Angebote, Netzwerk CM, Standards, die komplette Bibliothek
Die Roadmap: vom Lernen zur Umsetzung (≈ 12 Monate)
- Monat 1–2
Lernen & Auslegeordnung
Module M1–M5 durcharbeiten; Absenzzahlen, KTG-Vertrag und bestehende Prozesse erheben; Gespräch mit dem KTG-Versicherer.
- Monat 3–4
Konzept & Entscheid
BCM-Konzept erstellen (M6), Business Case rechnen (M7), GL-Entscheid inkl. Ressourcen, Sozialpartner einbeziehen.
- Monat 5–6
Aufbau
CM-Stelle besetzen, Tool und getrennte Aktenführung einrichten, Vorlagen und Schulungsunterlagen erstellen.
- Monat 7–9
Pilot
Start in ein bis zwei Bereichen, Führungskräfte schulen, monatlich auswerten und nachschärfen.
- Monat 10–12
Rollout & Betrieb
Alle Führungskräfte schulen, unternehmensweite Kommunikation, Go-live, Reporting etablieren.
Deinen Stand hältst du auf der Seite Checkliste & Fortschritt fest — der Fortschrittsbalken oben rechts begleitet dich durch die ganze App.
Modul 1 · Lernen
Grundlagen & Methode des Case Managements
Lernziel: Du beherrschst den CM-Prozess in allen sechs Phasen, kennst die Grundprinzipien und kannst die Rolle des Case Managers sauber von HR und Führung abgrenzen.
Woher die Methode kommt — und was sie auszeichnet
Case Management entstand in den 1970er-Jahren in den USA als Antwort auf ein Koordinationsproblem: Menschen mit komplexen Problemlagen scheiterten nicht am fehlenden Angebot, sondern an der Zersplitterung der Zuständigkeiten. Die Grundidee: Eine Person führt den Fall — über alle Institutionen hinweg, mit der betroffenen Person zusammen, auf ein vereinbartes Ziel hin. In der Schweiz hat sich die Methode ab den 1990er-Jahren zuerst bei den Unfall- und Taggeldversicherern etabliert und ist heute fester Bestandteil des betrieblichen Gesundheitsmanagements.
Der Case Manager hat drei Funktionen gleichzeitig: Anwalt der betroffenen Person (ihre Interessen und Ressourcen ins Zentrum stellen), Vermittler zwischen den Akteuren (Versicherer, Ärztinnen, Betrieb sprechen nicht automatisch miteinander) und Steuerer des Prozesses (Fristen, Massnahmen, Kosten im Blick behalten). Die Kunst besteht darin, diese drei Rollen transparent auszubalancieren.
Die sechs Phasen im Detail
Phase 1 — Intake (Fallaufnahme)
Hier wird entschieden, ob überhaupt ein CM-Fall vorliegt (Triage-Kriterien: M4) und ob die betroffene Person mitmachen will. Der Intake umfasst: Erstkontakt (persönlich oder telefonisch, nicht per Formularbrief), Erklärung von Rolle, Freiwilligkeit und Datenschutz, schriftliche Einwilligungserklärung (wer darf mit wem welche Informationen austauschen), Klärung der Erwartungen. Lehnt die Person ab, wird das dokumentiert — der Fall läuft über die normale Absenzverwaltung weiter, das Angebot bleibt offen.
Phase 2 — Assessment (Situationsanalyse)
Systematische Erfassung der Gesamtsituation entlang von fünf Dimensionen:
- Gesundheit: Arbeitsfähigkeit heute und prognostisch, laufende Behandlungen — auf Ebene Funktionen und Zumutbarkeit, nicht Diagnose (Instrument: arbeitsplatzbezogenes Zumutbarkeitsprofil, z. B. das REP von Compasso).
- Arbeit: Anforderungen der bisherigen Stelle, Belastungsfaktoren, Verhältnis zu Team und Führungskraft, Anpassungsspielraum.
- Soziales Umfeld: tragende Beziehungen, Betreuungspflichten, belastende Lebensereignisse.
- Finanzen & Versicherungen: Taggeldsituation, drohende Lücken, laufende Verfahren.
- Motivation & Ressourcen: Was will die Person selbst? Was hat früher geholfen? Wo sieht sie ihre Stärken?
Phase 3 — Zielvereinbarung & Massnahmenplan
Ziele werden gemeinsam formuliert und schriftlich festgehalten — ein übergeordnetes Fallziel (z. B. «Rückkehr in die angestammte Funktion mit 100 % bis Ende Q3») plus überprüfbare Teilziele mit Terminen. Der Massnahmenplan hält fest: Was, wer, bis wann, wer zahlt. Realistische statt maximale Ziele — ein erreichtes 80-%-Ziel trägt weiter als ein verfehltes 100-%-Ziel.
Phase 4 — Umsetzung (Linking & Koordination)
Der Case Manager vermittelt Massnahmen und hält die Akteure auf Kurs: Stufenplan mit dem Betrieb, Kostengutsprachen mit dem Versicherer, Frühintervention mit der IV, Rücksprachen mit Ärztinnen (via Vollmacht). Wichtig: Der Case Manager führt nicht selbst durch — er sorgt dafür, dass die Richtigen es tun.
Phase 5 — Monitoring
Regelmässige Standortbestimmungen gegen die Teilziele (Rhythmus je nach Fallphase: wöchentlich bis monatlich). Weicht der Verlauf ab, wird der Plan angepasst — nicht stillschweigend, sondern in einem Standortgespräch mit den Beteiligten. Jeder Kontakt wird in der Fallakte dokumentiert.
Phase 6 — Evaluation & Fallabschluss
Abgeschlossen wird gegen definierte Kriterien (M4). Dazu gehören: Abschlussgespräch mit Person und Führungskraft, kurze Fallauswertung (Was hat gewirkt? Was lernt die Organisation daraus?), Nachkontakt nach drei bis sechs Monaten zur Prüfung der Nachhaltigkeit.
Die Grundprinzipien
- Freiwilligkeit: Niemand kann zum Case Management gezwungen werden. Was der Arbeitsvertrag verlangen darf (Arztzeugnis, zumutbare Mitwirkung an der Wiedereingliederung gemäss Schadenminderungspflicht), ist davon zu trennen.
- Transparenz: Die betroffene Person weiss jederzeit, wer welche Informationen hat und was der nächste Schritt ist. Keine Gespräche über sie ohne ihr Wissen.
- Ressourcenorientierung: Ausgangspunkt ist, was die Person kann — nicht die Diagnose. Die Frage lautet immer: «Was geht, unter welchen Bedingungen?»
- Empowerment: Die Person bleibt Akteurin ihres Falls, nicht Objekt eines Verfahrens.
- Wirtschaftlichkeit: CM ist auch ein Steuerungsinstrument — Massnahmen müssen in einem vernünftigen Verhältnis zum erwartbaren Nutzen stehen. Das offen zu benennen schafft Glaubwürdigkeit.
Ein 48-jähriger Logistikmitarbeiter ist nach einer Rückenoperation seit fünf Wochen zu 100 % arbeitsunfähig, Prognose unklar, die angestammte Tätigkeit ist körperlich schwer. Intake: Er willigt ins CM ein. Assessment: medizinisch ist leichte Arbeit ab Woche 8 denkbar, er befürchtet Stellenverlust, im Team gibt es keine leichten Dauertätigkeiten. Ziel: Rückkehr in den Betrieb, ergebnisoffen bezüglich Funktion. Plan: ab Woche 8 Stufenplan mit angepassten Aufgaben (Wareneingangs-Kontrolle statt Kommissionierung), Meldung IV-Früherfassung, Prüfung Umschulung Richtung Disposition. Monitoring: zweiwöchentliche Standortgespräche. So sieht koordinierte Fallführung aus — ohne CM wäre nach 720 Taggeld-Tagen vermutlich die Kündigung gestanden.
Dokumentiere von Anfang an in einer strukturierten Fallakte (Stammdaten, Einwilligung, Assessments, Zielplan, Verlaufsjournal, Korrespondenz). Nicht nur wegen des Datenschutzes: Bei Fallübergaben, Versichererfragen oder — im schlechten Fall — arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen ist die lückenlose, sachliche Dokumentation dein wichtigstes Instrument.
- Wendt, «Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen» (Lambertus) — das deutschsprachige Standardwerk zur Methode; ideal als erstes Buch.
- Löcherbach et al., «Case Management: Fall- und Systemsteuerung» (Reinhardt) — vertieft die Phasen und die Steuerungslogik.
- netzwerk-cm.ch — Definitionen, Standards und Kompetenzprofil des Schweizer Fachverbands.
Modul 2 · Lernen
Rechtlicher Rahmen in der Schweiz
Lernziel: Du kennst Lohnfortzahlung, Kündigungsschutz, die IV-Instrumente und die Datenschutzregeln so gut, dass du im Fall weisst, was gilt — und wann du eine Fachperson beiziehst.
Lohnfortzahlung und Krankentaggeld
Ohne Versicherungslösung gilt Art. 324a OR: Der Arbeitgeber zahlt den Lohn «für eine beschränkte Zeit» weiter — im ersten Dienstjahr drei Wochen, danach «angemessen länger». Was angemessen ist, konkretisieren die Gerichtspraxis-Skalen (Basler, Berner, Zürcher Skala), die die Dauer nach Dienstjahren staffeln. Für ein Unternehmen deiner Grösse ist das aber Theorie: Praktisch überall besteht eine Kollektiv-Krankentaggeldversicherung (KTG), die die Lohnfortzahlung ablöst — typisch: 80 % des Lohns während 720 oder 730 Tagen, mit einer Wartefrist (häufig 30, 60 oder 90 Tage), während der der Arbeitgeber selbst zahlt.
Kenne deinen KTG-Vertrag im Detail: Wartefrist, Leistungsdauer, Meldefristen für die Schadenmeldung (verpasste Fristen können Leistungen gefährden), Bestimmungen zu Wiedereingliederung und Care Management, Übertrittsrecht in die Einzelversicherung beim Austritt. Der KTG-Vertrag ist das finanzielle Rückgrat deines BCM — und der Schadenverlauf bestimmt deine Prämien.
Kündigungsschutz: die Sperrfristen
Nach Ablauf der Probezeit darf der Arbeitgeber während einer krankheits- oder unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit nicht kündigen (Art. 336c OR):
| Dienstjahr | Sperrfrist |
|---|---|
| 1. Dienstjahr | 30 Tage |
| 2.–5. Dienstjahr | 90 Tage |
| ab 6. Dienstjahr | 180 Tage |
Eine in der Sperrfrist ausgesprochene Kündigung ist nichtig; eine vorher ausgesprochene wird unterbrochen und läuft nach der Sperrfrist weiter. Wichtig fürs BCM: Die Sperrfrist ist eine Minimalfrist, kein Fahrplan. Ein BCM, das Fälle bis zum Ablauf der Sperrfrist «parkiert» und dann kündigt, verfehlt seinen Zweck und spricht sich im Betrieb herum.
Pflichten der versicherten Person (ATSG)
Das ATSG verpflichtet versicherte Personen zur Mitwirkung (Auskünfte, Untersuchungen) und zur Schadenminderung: Zumutbare Massnahmen zur Wiedereingliederung müssen mitgetragen werden, sonst können Versicherungsleistungen gekürzt werden. Für dich heisst das: Das BCM ist freiwillig, aber die Verweigerung jeder zumutbaren Wiedereingliederung hat für die betroffene Person versicherungsrechtliche Konsequenzen — das darf man in Gesprächen sachlich transparent machen, ohne damit zu drohen.
Die IV-Instrumente im Detail
| Instrument | Was es ist | Wann es greift |
|---|---|---|
| Früherfassung | Niederschwellige Meldung an die IV-Stelle; diese klärt ab, ob Handlungsbedarf besteht, und antwortet innert 30 Tagen. Keine IV-Anmeldung. | Ab 30 Tagen ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit oder bei wiederholten Kurzabsenzen innert eines Jahres. Meldeberechtigt ist u. a. der Arbeitgeber (die Person muss vorgängig informiert werden). |
| Frühintervention | Rasche, unbürokratische Massnahmen (bis ca. CHF 20'000 pro Person): Arbeitsplatzanpassung, Ausbildungskurse, Arbeitsvermittlung, Berufsberatung, sozialberufliche Rehabilitation, Beschäftigungsmassnahmen. | Nach Früherfassung oder IV-Anmeldung; Ziel ist der Erhalt des Arbeitsplatzes oder eine rasche Neuplatzierung. |
| Integrationsmassnahmen | Belastbarkeits- und Aufbautraining, oft im Betrieb, besonders bei psychischen Beeinträchtigungen. | Wenn die Person noch nicht eingliederungsfähig im engeren Sinn ist. |
| Berufliche Massnahmen | Umschulung, Weiterbildung, Berufsberatung, Stellenvermittlung. | Wenn die angestammte Tätigkeit dauerhaft nicht mehr zumutbar ist. |
| Arbeitsversuch | Bis zu 180 Tage Arbeit im Betrieb ohne Arbeitsvertrag — die IV zahlt Taggeld weiter, für den Betrieb praktisch risikofrei. Starkes Instrument für den Wiedereinstieg. | Zur Abklärung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit, im eigenen oder in einem anderen Betrieb. |
| Einarbeitungszuschuss | Die IV beteiligt sich während der Einarbeitung am Lohn, wenn die volle Leistung noch nicht erreicht ist. | Bei Anstellung/Weiterbeschäftigung nach Eingliederung. |
| Rente | Seit 2022 stufenlos: ab 40 % IV-Grad Teilrente (beginnend bei 25 % einer ganzen Rente), zwischen 40 und 70 % linear steigend, ab 70 % ganze Rente. | Frühestens nach einem Jahr durchschnittlicher Arbeitsunfähigkeit von mind. 40 % und frühestens sechs Monate nach IV-Anmeldung — deshalb rechtzeitig anmelden (Faustregel: spätestens nach sechs Monaten Arbeitsunfähigkeit prüfen). |
Pensionskasse (BVG)
Die BVG-Invalidenrente knüpft in der Regel an den IV-Entscheid an. Leistungspflichtig ist grundsätzlich die Pensionskasse, bei der die Person bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit versichert war, deren Ursache zur Invalidität geführt hat — ein Grund mehr, den Beginn der Arbeitsunfähigkeit sauber zu dokumentieren. Informiere die PK bei absehbar langen Fällen frühzeitig; viele Kassen kennen zudem die Beitragsbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit.
Datenschutz: die Leitplanken des BCM
- Art. 328b OR: Der Arbeitgeber darf nur Daten bearbeiten, die die Eignung für das Arbeitsverhältnis betreffen oder zu dessen Durchführung erforderlich sind.
- Revidiertes DSG (seit 1.9.2023): Gesundheitsdaten sind besonders schützenswerte Personendaten. Ihre Bearbeitung im BCM stützt sich auf die ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person; es gelten Zweckbindung, Verhältnismässigkeit, Auskunftsrecht und definierte Aufbewahrungs- und Löschfristen.
- Praktische Umsetzung: schriftliche Einwilligung mit konkret benannten Informationsflüssen (wer ↔ wer, was, wozu); Fallakte technisch getrennt vom Personaldossier, Zugriff nur für die CM-Stelle; Führungskraft und HR erhalten nur, was sie für ihre Rolle brauchen (Einsatzfähigkeit, Stufenplan — keine Diagnosen); Löschkonzept nach Fallabschluss.
- Ja: Grad und voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit; ob Krankheit oder Unfall; was die Person trotz Einschränkung tun kann (Zumutbarkeitsprofil); ob betriebliche Faktoren zur Absenz beitragen.
- Nein: Diagnose; Details der Behandlung; private Lebensumstände ohne Bezug zur Arbeit. Auch dann nicht, wenn die Person sie freiwillig erzählt — nicht dokumentieren, was du nicht brauchst.
- Via Fachkanal: Medizinische Detailfragen laufen über vertrauensärztliche Untersuchungen (je nach KTG-Vertrag durch den Versicherer veranlasst) oder über den Arztkontakt des Case Managers mit Vollmacht.
Kündigung während des laufenden Case Managements: rechtlich nach Ablauf der Sperrfrist möglich, aber heikel. Sie kann als missbräuchlich qualifiziert werden, wenn sie im Widerspruch zu laufenden Eingliederungszusagen steht, und sie beschädigt das Vertrauen in dein BCM insgesamt. Wenn eine Trennung unvermeidbar ist: sauber begründen, geordnet übergeben (IV, RAV, allenfalls Sozialberatung) und nie «aus dem CM heraus» kündigen — die Trennung gehört in die HR-Linie, nicht in die Fallführung.
- Merkblatt 4.12 — Früherfassung, Frühintervention und die weiteren Merkblätter auf ahv-iv.ch.
- SECO — Arbeitsrecht — FAQ und Broschüren zu Lohnfortzahlung, Arbeitsunfähigkeit und Kündigungsschutz.
- EDÖB — Leitfäden zur Datenbearbeitung im Arbeitsverhältnis nach revidiertem DSG.
- Ein aktuelles Praxishandbuch zum Schweizer Arbeitsrecht — z. B. Geiser/Müller/Pärli, «Arbeitsrecht in der Schweiz» (Stämpfli Verlag); Kurt Pärli hat zudem einschlägig zu Datenschutz und Krankheit im Arbeitsverhältnis publiziert.
Modul 3 · Lernen
Akteure & Versicherungen — wer macht was, wer zahlt wann
Lernziel: Du weisst für jeden Akteur, wann du ihn einbindest, was er leistet, was er von dir braucht — und wie die Zahlungsströme über die Zeit laufen.
Krankentaggeld-Versicherer (KTG)
Wann einbinden: Schadenmeldung gemäss Vertragsfrist (oft innert 30 Tagen bzw. vor Ablauf der Wartefrist) — Frist verpassen kann Leistungen kosten. Was er leistet: Taggeld (meist 80 %, 720/730 Tage), häufig eigenes Care Management, teilweise Kostenbeteiligung an Eingliederungsmassnahmen, vertrauensärztliche Abklärungen. Was er von dir braucht: vollständige Schadenmeldungen, Arztzeugnisse, Lohnangaben, laufende Information über Wiedereingliederungsschritte. Dein Hebel: Der Versicherer verdient an jedem verkürzten Fall mit — er ist dein natürlicher Verbündeter. Vereinbare feste Ansprechpersonen und einen Austauschrhythmus für laufende Fälle.
IV-Stelle (kantonal)
Wann einbinden: Früherfassung ab 30 Tagen Arbeitsunfähigkeit oder bei wiederholten Kurzabsenzen prüfen; IV-Anmeldung spätestens nach rund sechs Monaten prüfen (Rente frühestens sechs Monate nach Anmeldung — späte Anmeldung heisst verlorene Ansprüche). Was sie leistet: die ganze Palette aus M2 — Frühintervention, Integrationsmassnahmen, Umschulung, Arbeitsversuch, Einarbeitungszuschuss; dazu Eingliederungsfachleute, die in den Betrieb kommen. Was sie von dir braucht: ein aussagekräftiges Anforderungsprofil der Stelle, Bereitschaft des Betriebs für angepasste Einsätze, eine Ansprechperson. Dein Hebel: Arbeitgeber, die aktiv mit der IV-Stelle zusammenarbeiten, bekommen spürbar mehr Unterstützung — die IV sucht kooperationsbereite Betriebe für Eingliederungen.
Suva / UVG-Versicherer
Bei Unfällen gilt das UVG; die Suva (oder ein privater UVG-Versicherer) übernimmt Heilkosten und Taggeld (80 % ab dem 3. Tag) und führt bei komplexen Fällen ein eigenes Case Management (bei der Suva das «New Case Management»). Deine Rolle: Hier führst du nicht doppelt, sondern koordinierst die betriebliche Seite — Kontakt halten, Rückkehrmöglichkeiten und angepasste Arbeitsplätze anbieten, an runden Tischen teilnehmen.
Pensionskasse (BVG)
Bei absehbar langen oder invaliditätsnahen Fällen frühzeitig informieren (viele Reglemente kennen Meldepflichten). Relevant: Invalidenleistungen im Anschluss an den IV-Entscheid, Beitragsbefreiung, und die Frage, welche Kasse leistungspflichtig ist (die bei Beginn der massgebenden Arbeitsunfähigkeit — Dokumentation!).
Behandelnde Ärztinnen und Vertrauensärzte
Der direkte Draht läuft immer über die betroffene Person oder eine schriftliche Vollmacht. Frage nie nach der Diagnose, sondern nach der Zumutbarkeit: «Welche Tätigkeiten sind in welchem Umfang möglich?» Dafür gibt es das Ressourcenorientierte Eingliederungsprofil (REP) von Compasso — ein standardisiertes Formular, das genau diese Übersetzung von Medizin in Arbeitsfähigkeit leistet und von Ärzteschaft und Versicherern gemeinsam entwickelt wurde. Vertrauensärztliche Untersuchungen (Zweitmeinung zur Arbeitsunfähigkeit) laufen je nach Vertrag über den KTG-Versicherer.
Externe Case-Management-Anbieter
Auch mit interner CM-Stelle sinnvoll für: Überlaufkapazität, Fälle mit Befangenheit (HR-Mitarbeitende, Kader), Spezialfälle. Auswahlkriterien: Arbeit nach den Standards des Netzwerks Case Management Schweiz, ausgebildete Case Manager (CAS/MAS), klare Unabhängigkeit von Leistungsentscheiden des Versicherers, transparente Berichterstattung, Erfahrung in deiner Branche.
Wer zahlt wann? Die Zahlungsströme über die Zeit (Krankheitsfall)
| Zeitraum | Lohnersatz | Womit parallel arbeiten |
|---|---|---|
| Wartefrist (z. B. Tag 1–60) | Arbeitgeber zahlt Lohn (gemäss Vertrag meist 80–100 %) | Kontakt halten, Triage ab Tag 30, IV-Früherfassung prüfen |
| Nach Wartefrist bis max. Tag 720/730 | KTG-Taggeld (meist 80 %) | CM-Fallführung, Stufenplan, IV-Frühintervention, ggf. IV-Anmeldung (≈ Monat 6) |
| Ab ca. Monat 12 | ggf. IV-Rente (stufenlos ab 40 % IV-Grad), Taggeld läuft daneben ggf. weiter | Eingliederungsmassnahmen der IV, Arbeitsversuch, Umschulung |
| Nach Taggeld-Ende | IV-Rente und/oder BVG-Invalidenleistungen — oder Lohn nach gelungener Rückkehr | Nachhaltigkeit sichern, Fallabschluss, Nachkontakt |
Das gefährlichste Zeitfenster ist der Übergang: Taggeld läuft aus, die IV hat noch nicht entschieden, der Arbeitsplatz ist weg — die Person fällt in eine finanzielle und institutionelle Lücke. Ein gutes BCM denkt die Anschlüsse von Anfang an mit: IV rechtzeitig anmelden, PK informieren, und bei absehbarer Trennung die Übergänge (RAV, Sozialberatung) aktiv organisieren statt den Fall auslaufen zu lassen.
Bei komplexen Fällen ist das wirksamste Koordinationsinstrument ein gemeinsames Standortgespräch mit allen Beteiligten (Person, Führungskraft, Case Manager, Versicherer, ggf. IV-Eingliederungsfachperson): ein Termin statt fünf Telefonketten, alle hören dasselbe, Zuständigkeiten werden vor allen vereinbart. Der Case Manager moderiert und protokolliert.
- compasso.ch — Arbeitgeberportal für berufliche Eingliederung: REP-Formular, Checklisten pro Akteur, Fallbeispiele. Dein wichtigstes Praxiswerkzeug für dieses Modul.
- ahv-iv.ch — Merkblätter — v. a. Merkblatt 4.12 und die Merkblätter zu beruflichen Massnahmen.
- suva.ch — New Case Management und Wiedereingliederung nach Unfall.
- Dein eigener KTG-Vertrag samt AVB — ernsthaft: Er ist die wichtigste Lektüre dieses Moduls.
Modul 4 · Lernen
Der BCM-Prozess im Betrieb — Fristen, Triage, Wiedereinstieg, Abschluss
Lernziel: Du kannst den betrieblichen Prozess so konkret aufsetzen, dass jede Rolle an jedem Tag weiss, was zu tun ist — und kein Fall mehr versandet.
Das Fristenraster (Herzstück des Prozesses)
| Zeitpunkt | Was passiert | Wer ist verantwortlich |
|---|---|---|
| Tag 1 | Krankmeldung persönlich (Telefon) an die direkte Führungskraft; Erfassung im Absenzsystem | Mitarbeiter/in · Führungskraft |
| Tag 3–5 | Erster persönlicher Kontakt: Befinden, voraussichtliche Dauer, «Was können wir tun?»; Kontaktrhythmus vereinbaren | Führungskraft |
| Tag 14 | HR informiert; Arztzeugnis-Lage prüfen; KTG-Schadenmeldung vorbereiten (Frist!) | HR |
| Tag 30 | Triage durch die CM-Stelle; Prüfung Meldung IV-Früherfassung; bei Falleröffnung: Intake und Einwilligung | Case Manager |
| Tag 60 | Standortgespräch; Assessment abgeschlossen; Zielplan steht; ggf. runder Tisch mit Versicherer | Case Manager |
| Tag 90 | Wiedereingliederungsplan (Stufenplan) oder Neubeurteilung des Ziels; IV-Frühinterventionsmassnahmen laufen | Case Manager · Führungskraft |
| Monat 6 | Prüfung IV-Anmeldung (Rentenanspruch frühestens 6 Monate nach Anmeldung!); PK informieren; Szenarien A/B/C definieren | Case Manager · HR |
| Monat 9–12 | Umsetzung Szenario; bei Rückkehr: Stufenplan bis Zielpensum; sonst: Umschulung/Arbeitsversuch via IV oder geordnete Trennung nach Ablauf der Sperrfrist | alle |
| Abschluss + 3–6 Monate | Nachkontakt: Ist die Rückkehr nachhaltig? Rückfallsignale? | Case Manager |
→ Für die Linie gibt es die Kurzfassung als Merkblatt Führungskräfte mit Fristenkarte; das ganze Raster auch als Datei in den Downloads.
Triage: Wann wird aus einer Absenz ein Fall?
Harte Kriterien (eines genügt für die Falleröffnung):
- Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich oder tatsächlich über 30 Tage
- Psychische Erkrankung als (Mit-)Ursache
- Signal des KTG-Versicherers oder der IV
Weiche Kriterien (ab zwei gleichzeitig Fall prüfen):
- Mehr als drei Kurzabsenzen in sechs Monaten oder auffälliges Absenzmuster (z. B. montags/freitags)
- Unklare oder widersprüchliche Prognose, wechselnde Arztzeugnisse
- Konflikt am Arbeitsplatz oder laufende Reorganisation als möglicher Auslöser
- Körperlich belastende Tätigkeit + Beschwerdebild, das die Rückkehr in genau diese Tätigkeit fraglich macht
- Absehbare private Mehrfachbelastung (Betreuung, Finanzen, Trennung)
Der Stufenplan für den Wiedereinstieg
Ein Wiedereinstieg gelingt gestuft — in Pensum und Aufgaben. Beispiel für eine Rückkehr nach längerer Absenz:
| Phase | Präsenz | Aufgaben | Begleitung |
|---|---|---|---|
| Woche 1–2 | ≈ 40 % | Angepasste Aufgaben ohne Termindruck, kein Kundenkontakt/keine Schichtarbeit | Wöchentliches Kurzgespräch mit Führungskraft |
| Woche 3–4 | ≈ 50–60 % | Schrittweise Kernaufgaben, noch reduzierte Verantwortung | Standortgespräch mit Case Manager |
| Woche 5–8 | ≈ 60–80 % | Kernaufgaben, definierte Schongrenzen (z. B. keine Überzeit, Hebelimiten) | Wöchentliche Kurz-Checks |
| ab Woche 9 | Zielpensum | Volle Funktion oder definitiv angepasste Funktion | Abschlussgespräch, Nachkontakt vereinbaren |
Wichtig zur Finanzierung: Während des Stufenplans ergänzt das Taggeld in der Regel die Differenz zum vollen Lohn — die konkrete Abwicklung (Teilarbeitsfähigkeit vs. «therapeutischer Arbeitsversuch» ohne Lohnanspruch) vorab schriftlich mit dem KTG-Versicherer klären. Und: Der Plan wird mit Ärztin und betroffener Person erstellt, nicht über ihre Köpfe hinweg; er ist ein Fahrplan, kein Vertrag — Anpassung nach Verlauf ist normal und kein Scheitern.
Fallabschluss: die drei Szenarien
- A — Rückkehr angestammt: Zielpensum erreicht und drei Monate stabil gehalten → Abschluss mit Nachkontakt.
- B — Rückkehr angepasst: neue Funktion oder dauerhaft angepasstes Pensum im Betrieb; ggf. mit IV-Einarbeitungszuschuss; Anpassung des Arbeitsvertrags sauber dokumentieren.
- C — Lösung ausserhalb: Wenn keine zumutbare Weiterbeschäftigung möglich ist: Übergabe an IV (Umschulung, Arbeitsvermittlung), geordnete Trennung nach Sperrfrist mit fairen Konditionen, Übergänge zu RAV/Sozialberatung organisiert. Auch Szenario C ist ein legitimer, professioneller Fallabschluss — entscheidend ist, wie er gestaltet wird.
Automatisiere die Trigger: Das Absenzsystem soll die CM-Stelle bei Tag 30, bei der dritten Kurzabsenz und bei auffälligen Mustern automatisch benachrichtigen. Prozesse, die auf «jemand denkt schon daran» beruhen, funktionieren in Monat 1 und versagen in Monat 7. Ebenso: Jeder offene Fall hat immer einen nächsten Termin — ein Fall ohne nächsten Termin ist ein versandender Fall.
- Compasso — Prozessleitfäden — Schritt-für-Schritt-Prozesse für Arbeitgeber, inkl. Vorlagen für Stufenpläne und den Einbezug der IV.
- WEKA — Absenz- und Case Management — Schweizer Praxishandbuch mit Musterprozessen und Vorlagen (kostenpflichtig, für die Umsetzungsphase die Investition wert).
- Gesundheitsförderung Schweiz — BGM-Grundlagen, in die der Prozess eingebettet wird.
Modul 5 · Lernen
Gesprächsführung & Fallarbeit
Lernziel: Du kennst die vier Gesprächsformate mit Leitfaden, die Grundhaltung der motivierenden Gesprächsführung und den Umgang mit psychisch bedingten Absenzen und schwierigen Situationen.
Die vier Gesprächsformate
1 · Rückkehrgespräch (nach jeder Absenz, durch die Führungskraft)
Kurz (10–15 Minuten), zeitnah (erster Arbeitstag oder kurz danach), unter vier Augen. Struktur:
- Willkommen: «Schön, sind Sie wieder da. Wie geht es Ihnen?»
- Update: Was ist in der Abwesenheit passiert, was ist zu priorisieren.
- Arbeitsbezug: «Gibt es etwas an der Arbeit, das zur Absenz beigetragen hat? Gibt es etwas, das wir anpassen sollten, damit Sie gesund bleiben?»
- Vereinbarung: konkrete Anpassungen festhalten, falls nötig.
Don'ts: Diagnose erfragen, Rechtfertigungsdruck aufbauen, das Gespräch mit Leistungskritik vermischen, es bei Vielabwesenden auslassen und bei Beliebten vergessen — das Format wirkt nur, wenn es für alle, immer gilt.
→ Als abgabefertiges Handout für die Linie: Merkblatt Führungskräfte; geübt wird das Format in der Führungskräfte-Schulung.
2 · Fürsorgegespräch (bei Auffälligkeiten vor einem Ausfall)
Wenn eine Führungskraft Veränderungen beobachtet (Rückzug, Leistungsknick, Reizbarkeit, häufige Kurzabsenzen): frühzeitig, wertschätzend, konkret. Regel: Beobachtung statt Interpretation — «Mir ist aufgefallen, dass Sie in den letzten Wochen oft müde wirken und dreimal kurzfristig ausgefallen sind. Ich mache mir Sorgen. Wie geht es Ihnen?» statt «Sie sind wohl ausgebrannt». Das Gespräch endet mit einem Angebot (Entlastung, CM-Stelle, externe Beratung), nicht mit einer Auflage.
3 · Standortgespräch (während des Falls, durch den Case Manager)
Agenda: Verlauf seit dem letzten Termin → Abgleich mit den Teilzielen → was hat geholfen, was gefehlt → nächste Schritte und Termine → wer informiert wen. Bei Bedarf als runder Tisch mit allen Akteuren (M3). Immer mit schriftlichem Kurzprotokoll, das die betroffene Person erhält.
4 · Rückkehrplanungs-Gespräch (vor dem Wiedereinstieg)
Mit Person, Führungskraft und Case Manager: Stufenplan konkretisieren, Schongrenzen definieren, Kommunikation ans Team vereinbaren (die betroffene Person entscheidet, was das Team erfährt — abgestimmter Sprachgebrauch verhindert Flurfunk), Eskalationsweg bei Überlastung festlegen («Was tun wir, wenn es doch zu viel wird?» — vorher besprechen entlastet enorm).
Grundhaltung: motivierende Gesprächsführung
Die wirksamste Gesprächshaltung im CM stammt aus der motivierenden Gesprächsführung (Miller/Rollnick): offene Fragen statt Verhör, aktives Zuhören und Zusammenfassen, Ambivalenz ernst nehmen («Ein Teil von Ihnen möchte zurück, ein Teil hat Angst davor — beides ist verständlich»), Veränderungsgründe von der Person selbst formulieren lassen statt sie zu überzeugen. Druck erzeugt Widerstand; Autonomie erzeugt Bewegung.
Psychische Erkrankungen — der häufigste und anspruchsvollste Falltyp
Psychische Erkrankungen sind heute die häufigste Ursache von Langzeitabsenzen und von IV-Neurenten. Was sie für die Fallarbeit besonders macht:
- Verläufe schwanken. Gute und schlechte Wochen wechseln; ein linearer Stufenplan braucht mehr Flexibilität und längere Horizonte als bei somatischen Fällen.
- Zu schneller Vollausbau ist das grösste Rückfallrisiko. Lieber länger auf 60 % stabil als in Woche 6 auf 100 % und in Woche 10 wieder draussen.
- Arbeitsplatzfaktoren sind oft Mitursache (Konflikte, Überlastung, Rollenunklarheit) — dann muss sich auch der Arbeitsplatz verändern, nicht nur die Person. Ein Assessment, das das ausblendet, produziert Drehtürfälle.
- Kontakt halten wirkt. Bei psychischen Absenzen bricht der Kontakt am schnellsten ab («wir wollten nicht stören») — genau das verstärkt Rückzug und Entfremdung. Niederschwelliger, regelmässiger, wohlwollender Kontakt ist die wirksamste Einzelmassnahme.
- Zusammenarbeit mit Behandelnden lohnt sich doppelt: Psychiaterinnen und Psychotherapeuten kennen den Arbeitsplatz nicht — ein präzises Anforderungs- und Zumutbarkeitsprofil (REP) macht ihre Zeugnisse realistischer und den Stufenplan tragfähiger.
Schwierige Situationen
- Fehlende Mitwirkung: erst verstehen (Angst? Überforderung? schlechte Erfahrung?), dann klar benennen: Freundlich im Ton, deutlich in der Sache — inkl. der versicherungsrechtlichen Konsequenzen fehlender Schadenminderung (M2), sachlich und ohne Drohkulisse.
- Verdacht auf missbräuchliche Absenz: nicht im CM klären — das ist ein Führungs-/HR-Thema (vertrauensärztliche Untersuchung via Versicherer, arbeitsrechtliche Schiene). Der Case Manager darf nie zum Detektiv werden, sonst ist seine Rolle für alle künftigen Fälle beschädigt.
- Konflikt als Absenzursache: CM und Konfliktbearbeitung trennen, aber verzahnen — Mediation oder Führungsintervention parallel zum Fall aufsetzen. Rückkehr in einen ungelösten Konflikt scheitert fast immer.
Gut gemeinte Grenzüberschreitung: Führungskräfte und Case Manager rutschen bei psychischen Fällen leicht in eine Therapeutenrolle («Erzählen Sie mal…»). Das überfordert alle und verletzt die Rollengrenze. Die Aufgabe des Betriebs ist der Arbeitsbezug: Bedingungen schaffen, unter denen Arbeit wieder möglich ist. Behandlung gehört zu den Fachleuten — dorthin wird aktiv vermittelt, nicht selbst «therapiert».
- Miller/Rollnick, «Motivierende Gesprächsführung» — das Standardwerk zur Gesprächshaltung; die ersten Kapitel reichen für den Praxistransfer.
- ensa.swiss — Erste-Hilfe-Kurse für psychische Gesundheit (Pro Mente Sana): sehr gut geeignet als Schulung für Führungskräfte und die CM-Stelle.
- wie-gehts-dir.ch — Schweizer Kampagne mit konkreten Gesprächstipps, inkl. Material für Betriebe.
- Compasso — Themenbereich psychische Gesundheit — Fallbeispiele und Instrumente speziell für Arbeitgeber.
Modul 6 · Umsetzen
Einführung im Unternehmen — Konzept, Rollen, Kommunikation
Lernziel: Du kannst das BCM-Konzept schreiben, die CM-Stelle richtig aufhängen und besetzen, und die Einführung so kommunizieren, dass die Belegschaft sie als Unterstützung erlebt.
Das BCM-Konzept: die Gliederung, die sich bewährt hat
- Ausgangslage und Zweck — Absenzsituation heute, Ziele (menschlich und wirtschaftlich), Einbettung ins BGM
- Grundsätze — Freiwilligkeit, Transparenz, Datenschutz, Trennung von Fallführung und disziplinarischer Funktion
- Geltungsbereich — wer erfasst ist (alle Mitarbeitenden, inkl. Kader), was erfasst ist
- Prozess — Fristenraster, Triage-Kriterien, Fallphasen, Fallabschluss (aus M4)
- Rollen und Verantwortlichkeiten — Rollenmodell unten
- Datenbearbeitung — Einwilligung, getrennte Fallakte, Zugriffsrechte, Aufbewahrung und Löschung
- Schnittstellen — KTG, IV, Suva, PK, externe Anbieter, interne Sozialberatung
- Kennzahlen und Reporting — was, an wen, in welchem Rhythmus, mit welchen Aggregationsgrenzen (M7)
- Inkraftsetzung — Pilot, Rollout, Überprüfung nach 12 Monaten
Das Konzept juristisch prüfen lassen (Arbeitsrecht + Datenschutz) und von der Geschäftsleitung formell verabschieden. Daraus abgeleitet entstehen die operativen Dokumente: Kurz-Reglement für die Belegschaft, Leitfaden für Führungskräfte, Vorlagen (siehe Downloads).
Das Rollenmodell
| Rolle | Verantwortet | Verantwortet nicht |
|---|---|---|
| Führungskraft | Früherkennung, Kontakt ab Tag 1, Rückkehr- und Fürsorgegespräche, Umsetzung des Stufenplans im Team | Fallführung, medizinische Einschätzungen, Datensammlung über Gesundheit |
| Case Manager | Triage, Fallführung (Intake bis Abschluss), Koordination aller Akteure, Fallakte, Reporting | Disziplinarisches, Kündigungen, Leistungsbeurteilung |
| HR-Business-Partner | Administration, KTG-Meldungen, arbeitsrechtliche Schiene, Vertragsanpassungen, ggf. Trennungsprozess | Zugriff auf die Fallakte des CM |
| Geschäftsleitung | Commitment, Ressourcen, Konzept-Verabschiedung, Kennzahlen-Review | Einzelfallentscheide im CM |
| Versicherer / IV | Leistungen, medizinische Abklärungen, Eingliederungsinstrumente | betriebliche Entscheide |
Die CM-Stelle: Aufhängung, Profil, Dimensionierung
- Aufhängung: idealerweise als Fach-/Stabsstelle mit direktem Draht zur HR-Leitung, aber ausserhalb der HR-Linienprozesse (Rekrutierung, Disziplinarisches, Trennungen). Diese sichtbare Unabhängigkeit ist die Grundlage des Vertrauens — «die Person, die mir hilft, ist nicht die Person, die mich beurteilt».
- Anforderungsprofil: CAS/MAS Case Management oder gleichwertige Erfahrung (Versicherer, IV-Stelle, Kliniksozialdienst), Kenntnis des Schweizer Sozialversicherungssystems, hohe Gesprächskompetenz, Standing gegenüber Kader und Versicherern, absolute Verschwiegenheit.
- Dimensionierung: Praxis-Faustregel: ein Case Manager betreut parallel etwa 25–40 laufende Fälle; je nach Branche und Absenzniveau entspricht das grob 50–100 Stellenprozenten pro 1'000 Mitarbeitende. Für den Start: mit einer Person plus externem Überlauf-Partner beginnen und nach dem ersten Jahr anhand der realen Fallzahlen justieren.
- Stellvertretung und Supervision: von Anfang an regeln — Fallarbeit ohne Supervision/Intervision führt in die Isolation und zu blinden Flecken.
Kommunikation: die Einführung verkaufen
- Botschaft: «Wir lassen niemanden allein, der gesundheitlich ausfällt» — Unterstützungsangebot, nicht Kontrollinstrument. Die wirtschaftliche Seite gegenüber GL und Kader offen benennen, gegenüber der Belegschaft die menschliche in den Vordergrund stellen — beides ist wahr.
- Sozialpartner/Personalkommission vor der Belegschaft informieren und ihre Rückmeldungen ins Reglement einarbeiten — ihr Support entscheidet über die Aufnahme im Betrieb.
- Kanäle: Kader-Briefing durch die GL, Info-Veranstaltung oder -Video für alle, Intranet-Seite mit FAQ («Muss ich mitmachen?», «Wer erfährt was?»), Aufnahme ins Onboarding. → Fertig formulierter Startpunkt: Merkblatt für Mitarbeitende.
- Gesicht zeigen: Die Case Managerin stellt sich persönlich vor (Kadermeetings, Team-Besuche). Menschen vertrauen Personen, nicht Prozessen.
Schulung der Führungskräfte (Voraussetzung, nicht Option)
Format: halber Tag, obligatorisch, vor dem Go-live ihres Bereichs. Inhalte: der Prozess und ihre Rolle darin (Fristenraster!), Rückkehr- und Fürsorgegespräch mit Übungssequenz, Grundwissen psychische Gesundheit, Datenschutz-Grenzen («was ich nie frage und nie weitergebe»), Zusammenarbeit mit der CM-Stelle. Auffrischung alle zwei Jahre und fester Baustein in jeder Führungsausbildung.
→ Ein komplettes Schulungskonzept mit Ablauf, Szenariokarten und Materialien findest du als Vorlage in dieser App; als Handout dazu das Merkblatt für Führungskräfte.
Pilotierung
- Bereichswahl: ein bis zwei Bereiche mit relevantem Absenzniveau und aufgeschlossener Linienleitung — der Pilot soll lernen, nicht glänzen.
- Dauer: drei bis sechs Monate; vorher definierte Erfolgskriterien (z. B. 100 % der Triage-Fälle innert Frist bearbeitet, Zufriedenheit der Beteiligten, erste Wiedereingliederungen).
- Auswertung: Zahlen und Erfahrungen (Interviews mit Führungskräften, betroffenen Personen, Versicherer) → Prozess nachschärfen → dann Rollout.
Die drei häufigsten Gründe, warum BCM-Einführungen scheitern: 1) Die GL verabschiedet das Konzept, lebt es aber nicht (kündigt z. B. im ersten schwierigen Fall doch schnell) — deshalb Commitment an konkreten Fällen einfordern. 2) Die Führungskräfte wurden informiert statt geschult — Information erzeugt kein Verhalten. 3) Das BCM wird als Sparprogramm kommuniziert — dann meldet sich niemand freiwillig, und die Fälle kommen zu spät.
- Gesundheitsförderung Schweiz — BGM-Kriterien und das Label «Friendly Work Space»: gute Struktur-Checkliste, auch ohne Zertifizierungsabsicht.
- Netzwerk Case Management Schweiz — Standards — Referenz für Stellenprofil und Konzept-Grundsätze.
- Uhle/Treier, «Betriebliches Gesundheitsmanagement» (Springer) — fundiertes Grundlagenwerk zur Einbettung des BCM ins BGM.
- WEKA-Praxishandbücher — Mustervorlagen für Reglement und Konzept im Schweizer Kontext.
Modul 7 · Umsetzen
Kennzahlen & Wirksamkeit
Lernziel: Du kannst ein schlankes BCM-Reporting aufsetzen, den Nutzen in Franken plausibilisieren und die Datenschutz-Grenzen des Reportings einhalten.
Das Kennzahlen-Set (bewusst schlank)
| Kennzahl | Definition | Wofür sie gut ist |
|---|---|---|
| Absenzquote | Ausfalltage ÷ Solltage × 100, getrennt nach Krankheit/Unfall und nach Kurz-/Langzeit (Grenze z. B. 30 Tage) | Gesamtbild und Trend; Basis für den Business Case |
| Absenzhäufigkeit | Anzahl Absenzfälle pro 100 Mitarbeitende | Erkennt Muster, die die Quote versteckt (viele Kurzabsenzen) |
| Anzahl CM-Fälle | eröffnet / laufend / abgeschlossen pro Quartal | Auslastung der CM-Stelle, Dimensionierung |
| Zeit bis Triage | Tage von Absenzbeginn bis Triage-Entscheid | Prozessdisziplin — die früheste Warnlampe |
| Durchschnittliche Falldauer | Tage von Falleröffnung bis Abschluss | Wirksamkeit der Fallführung über die Zeit |
| Wiedereingliederungsquote | Anteil Fälle, die 6 Monate nach Abschluss noch angestellt und im Zielpensum sind | Die eigentliche Erfolgskennzahl — Nachhaltigkeit statt Schnelligkeit |
| KTG-Schadenverlauf & Prämiensatz | gemäss Jahresabrechnung des Versicherers | Der direkteste Franken-Hebel des BCM |
Beispiel-Business-Case (illustrative Grössenordnung)
- Absenzquote 4,5 % bei ≈ 220 Solltagen/Person → ≈ 7'900 Ausfalltage pro Jahr
- Vollkosten pro Ausfalltag (Lohn, Ersatz, Produktivitätsverlust) konservativ CHF 600–1'000 → Gesamtkosten CHF 4,7–7,9 Mio. pro Jahr
- Realistische Wirkung eines BCM in den ersten 2–3 Jahren: Reduktion der Ausfalltage um 10–15 % (v. a. über verkürzte Langzeitfälle) → CHF 0,5–1,2 Mio. pro Jahr
- Kosten: 1 Case Manager (inkl. Nebenkosten) + Tool + Schulungen + externer Partner ≈ CHF 200'000–250'000 pro Jahr
- → Kosten-Nutzen-Verhältnis in der Grössenordnung 1:2 bis 1:4 — das deckt sich mit den in der Praxis berichteten Werten. Dazu kommen nicht bezifferte Effekte: KTG-Prämien, Fluktuation, Arbeitgeberimage.
Rechne den Case mit euren echten Zahlen (Absenzstatistik, Lohnsumme, KTG-Abrechnung) — und präsentiere Spannen statt Scheingenauigkeit. Das macht dich glaubwürdiger, nicht schwächer.
Reporting-Aufbau
- Quartalsreport an die GL (1–2 Seiten): Kennzahlen-Set mit Trend, 2–3 anonymisierte Fallverläufe als Illustration, Engpässe und Anträge. → Komplette Struktur mit Beispielinhalt: Vorlage Quartalsreport.
- Jahresbericht: Entwicklung gegenüber Vorjahr, KTG-Prämien/Schadenverlauf, Wiedereingliederungsquote, Erkenntnisse für die Prävention (Brücke zur BGF), Ziele fürs Folgejahr.
- Für Führungskräfte: nur aggregierte Bereichszahlen oberhalb der Aggregationsgrenze — keine Fallinformationen.
Reporting nie unterhalb einer Aggregationsgrenze (z. B. 20 Personen) ausweisen und Kennzahlen nie mit Diagnose- oder Fallinformationen verknüpfen. Und: Die Absenzquote nicht als Führungskräfte-Zielgrösse mit Bonus verknüpfen — das erzeugt Präsentismus (krank zur Arbeit) und Druck auf Meldungen, also genau das Gegenteil von Früherkennung.
- Bundesamt für Statistik — Statistiken zu krankheitsbedingten Absenzen (Arbeitsvolumenstatistik): Benchmark-Grössenordnungen für deine Branche.
- Gesundheitsförderung Schweiz — Job-Stress-Index — Schweizer Studie zu Stress, Erschöpfung und deren Kosten: gutes Zahlenmaterial für die GL-Präsentation.
- SECO — Studien zu psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz.
Modul 8 · Umsetzen
Weiterbildung & Ressourcen
Lernziel: Du hast deinen persönlichen Qualifizierungsweg und weisst, wo dein Wissensnetzwerk sitzt.
Qualifizierungswege im Überblick
| Format | Für wen | Aufwand |
|---|---|---|
| CAS Case Management (BFH mit HSLU, ZHAW, OST, FHNW) | Die künftige CM-Stelle (faktisch Einstellungsstandard) und dich als Projektverantwortlichen, wenn du tief einsteigen willst | berufsbegleitend, ca. 1 Jahr, 10–15 ECTS |
| NDK/Weiterbildungen im Gesundheitswesen (z. B. Careum) | CM mit Fokus Gesundheitswesen/Pflege-Hintergrund | mehrere Monate |
| Kurzseminare (WEKA, HR-Bildungsanbieter) | Dich für den Projektstart; HR-Team; ideal vor der Konzeptphase | 1–2 Tage |
| ensa Erste Hilfe psychische Gesundheit | Führungskräfte und CM-Stelle | ca. 2 Tage |
| Netzwerk CM — Tagungen & Fachgruppen | Laufende Vernetzung der CM-Stelle | punktuell |
Empfehlung für dich persönlich: Starte mit einem 1–2-tägigen Praxisseminar zu Absenz-/Case Management (schnelles Fundament für die Konzeptphase), gib der künftigen CM-Stelle den CAS mit — und entscheide nach dem Pilot, ob du selbst den CAS anhängst. Für die Fachbegleitung des Projekts kannst du zudem punktuell einen erfahrenen externen Case Manager als Sparringpartner mandatieren.
Standards und Netzwerk
Die Berufsbezeichnung «Case Manager» ist in der Schweiz nicht geschützt. Referenz sind die Definitionen und Standards des Netzwerks Case Management Schweiz samt Kompetenzprofil — nutze sie als Messlatte für Stellenprofil, Konzept und die Auswahl externer Anbieter. Eine Mitgliedschaft der CM-Stelle im Netzwerk lohnt sich für Austausch und Weiterbildung.
- Methode: Wendt, «Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen» (Lambertus) · Löcherbach et al., «Case Management: Fall- und Systemsteuerung» (Reinhardt).
- Gesprächsführung: Miller/Rollnick, «Motivierende Gesprächsführung».
- BGM-Einbettung: Uhle/Treier, «Betriebliches Gesundheitsmanagement» (Springer).
- Schweizer Arbeitsrecht: ein aktuelles Praxishandbuch griffbereit halten (z. B. Geiser/Müller/Pärli, «Arbeitsrecht in der Schweiz», Stämpfli).
Alle Portale und Merkblätter findest du gesammelt unter Downloads & Vorlagen.
Werkzeuge · Auf einen Blick
Die zehn wichtigsten Tipps aus allen Modulen
- Früh ist alles. Kontakt ab Tag 1–3, Triage spätestens an Tag 30, IV-Früherfassung aktiv nutzen — jede Woche Verzögerung senkt die Rückkehrwahrscheinlichkeit. (M3, M4)
- Erst Absenzenmanagement, dann Case Management. Ohne verlässliche Absenzdaten und automatische Trigger fliegt dein CM blind. (M6)
- Fallführung und Disziplinarisches personell trennen. «Die Person, die mir hilft, ist nicht die Person, die mich beurteilt» — darauf beruht das ganze Vertrauen. (M6)
- Fallakte strikt vom Personaldossier trennen und schriftliche Einwilligung mit konkret benannten Informationsflüssen einholen. Der häufigste Rechtsfehler in der Praxis. (M2)
- Nie nach der Diagnose fragen — immer nach der Zumutbarkeit. Das REP von Compasso übersetzt Medizin in Arbeitsfähigkeit. (M2, M3)
- Jeder offene Fall hat einen nächsten Termin. Ein Fall ohne nächsten Termin ist ein versandender Fall. (M4)
- Bei psychischen Erkrankungen: Kontakt halten und langsam aufbauen. Kontaktabbruch und zu schneller Vollausbau sind die zwei grössten Rückfalltreiber. (M5)
- Führungskräfte schulen, nicht nur informieren — mit Gesprächsübung, vor dem Go-live, obligatorisch. Information erzeugt kein Verhalten. (M5, M6)
- Den Versicherer als Verbündeten führen: feste Ansprechpersonen, Austauschrhythmus, Stufenplan-Finanzierung vorab schriftlich klären — und die IV-Anmeldung spätestens nach sechs Monaten prüfen. (M3, M4)
- Wirkung ausweisen, aber sauber: schlankes Kennzahlen-Set, Spannen statt Scheingenauigkeit, Aggregationsgrenze im Reporting, Absenzquote nie als Bonusziel. (M7)
Werkzeuge · Fortschrittskontrolle
Checkliste: Einführung des Case Managements
Hake ab, was erledigt ist — der Stand wird lokal in deinem Browser gespeichert und ist beim nächsten Besuch wieder da. Die Phasen entsprechen der Roadmap auf der Startseite.
Phase 0 · Grundlagen & Analyse (Monat 1–2)
Phase 1 · Konzept & Entscheid (Monat 3–4)
Phase 2 · Aufbau (Monat 5–6)
Phase 3 · Pilot (Monat 7–9)
Phase 4 · Rollout (Monat 10–12)
Phase 5 · Betrieb & Verbesserung (laufend)
Werkzeuge · Material
Downloads & Vorlagen
Alles Material an einem Ort: offizielle Merkblätter und Portale zum Nachschlagen — und Arbeitsvorlagen, die du direkt als Datei herunterladen und im Unternehmen anpassen kannst.
Offizielle Merkblätter & Portale
- Merkblatt 4.12 — Früherfassung & FrühinterventionDie offizielle Kurzreferenz zu Meldung, Fristen und IV-Instrumenten (ahv-iv.ch, PDF)Öffnen
- Alle AHV/IV-MerkblätterÜbersicht aller Merkblätter, u. a. zu beruflichen Massnahmen, Rente, TaggeldÖffnen
- Compasso — Arbeitgeberportal EingliederungREP-Formular, Prozessleitfäden, Checklisten, Fallbeispiele — dein wichtigstes PraxisportalÖffnen
- BSV — Früherfassung und FrühinterventionGrundlagen des Bundesamts für SozialversicherungenÖffnen
- Netzwerk Case Management SchweizStandards, Kompetenzprofil, Tagungen — die fachliche ReferenzÖffnen
- EDÖB — Datenschutz im ArbeitsverhältnisLeitfäden des Eidg. Datenschutzbeauftragten zum revidierten DSGÖffnen
- SECO — ArbeitsrechtFAQ und Broschüren zu Lohnfortzahlung, Arbeitsunfähigkeit, KündigungsschutzÖffnen
- Gesundheitsförderung SchweizBGM-Kriterien, Friendly Work Space, Job-Stress-IndexÖffnen
- Suva — Wiedereingliederung nach UnfallNew Case Management und Arbeitgeber-InformationenÖffnen
- ensa — Erste Hilfe für psychische GesundheitKursangebot für Führungskräfte und CM-Stelle (Pro Mente Sana)Öffnen
- CAS Case ManagementWeiterbildungs-Angebote: BFH/HSLU, OST, FHNWBFH öffnen
Vorlagen-Seiten in dieser App
Vier inhaltlich ausgearbeitete Vorlagen als eigene Seiten — direkt aus dem Lernprozess verlinkt, hier gesammelt:
- Schulungskonzept Führungskräfte-HalbtagAblauf, Szenariokarten für Rollenspiele, Materialien, Erfolgskontrolle (zu M6)Öffnen
- Merkblatt MitarbeitendeFertig formulierter FAQ-Text für Intranet und Onboarding (zu M6)Öffnen
- Merkblatt FührungskräfteRolle, Fristenkarte, Gesprächsstruktur, No-Gos — als A4-Handout (zu M4/M5)Öffnen
- Quartalsreport an die GeschäftsleitungStruktur mit Beispielzahlen und -texten, inkl. Jahresbericht-Ergänzung (zu M7)Öffnen
Arbeitsvorlagen zum Herunterladen
Diese Vorlagen werden direkt hier erzeugt und als Markdown-Datei (.md) heruntergeladen — in Word oder jedem Editor zu öffnen und ans Unternehmen anzupassen. Wichtig: Einwilligung und Reglement vor dem Einsatz juristisch prüfen lassen.
- Einwilligungserklärung Case ManagementDatenschutzkonforme Einwilligung mit konkret benannten Informationsflüssen
- Fristenraster BCMDer Prozess von Tag 1 bis Monat 12 mit Verantwortlichkeiten (aus M4)
- Triage-ChecklisteHarte und weiche Kriterien für den Fall-Entscheid an Tag 30
- Leitfaden RückkehrgesprächStruktur, Beispielfragen und Don'ts für Führungskräfte (aus M5)
- Stufenplan WiedereinstiegVorlage für den gestuften Wiedereinstieg mit Schongrenzen und Checkpoints
- Gliederung BCM-Konzept / GL-AntragDie bewährte Konzept-Struktur aus M6 inkl. Business-Case-Baustein aus M7
Vorlage · Startpunkt zum Anpassen
Schulungskonzept: Führungskräfte-Halbtag BCM
Verwendung: Grundlage für die obligatorische Schulung aus M6 — vor dem Go-live jedes Bereichs. Passe Zahlen, Namen und Beispiele an dein Unternehmen an.
Eckdaten
- Ziel: Jede Führungskraft kennt ihre Rolle im BCM-Prozess, kann ein Rückkehr- und ein Fürsorgegespräch führen und kennt die Datenschutz-Grenzen.
- Dauer: ein halber Tag (ca. 3,5 Stunden) · Gruppengrösse: max. 12 Personen (wegen Gesprächsübung) · Teilnahme: obligatorisch, vor Go-live des eigenen Bereichs.
- Leitung: Case Manager/in (Prozess, Gespräche) + HR (Recht, Administration); Begrüssung durch ein GL-Mitglied — das sichtbare Commitment ist Teil der Botschaft.
- Auffrischung: alle zwei Jahre (90 Minuten, Fokus Gesprächspraxis und Lehren aus realen Fällen); fester Baustein jeder neuen Führungsausbildung.
Ablauf
| Zeit | Baustein | Inhalt & Methode |
|---|---|---|
| 15' | Begrüssung durch GL | Warum wir das tun: Fürsorge und Wirtschaftlichkeit; Erwartung an die Führungsrolle. Kurz und persönlich. |
| 20' | Warum BCM? | Eigene Absenzzahlen des Unternehmens, Kosten eines Langzeitfalls, «nach 6 Monaten kehrt nur noch die Hälfte zurück». Input mit 2–3 Folien. |
| 45' | Der Prozess & meine Rolle | Fristenraster durchgehen (M4): Was tue ich an Tag 1, 3–5, 14? Wann übernimmt die CM-Stelle? Abgrenzung der Rollen. Anhand eines durchgespielten Beispielfalls. |
| 15' | Pause | |
| 60' | Gesprächsübung | Rückkehr- und Fürsorgegespräch (M5): kurze Demo, dann Rollenspiele in 3er-Gruppen (Führungskraft / Mitarbeiter/in / Beobachter/in) mit den Szenariokarten unten, Auswertung im Plenum. |
| 30' | Psychische Gesundheit | Warnsignale erkennen (Rückzug, Leistungsknick, Reizbarkeit, Kurzabsenzen), Beobachtung statt Interpretation, Grenzen der Führungsrolle («wir behandeln nicht»). Hinweis auf ensa-Kurse. |
| 20' | Datenschutz-Grenzen | Was ich nie frage (Diagnose), was ich nie dokumentiere oder weitererzähle; was die CM-Stelle darf und ich nicht. Kurzquiz mit 5 Ja/Nein-Fällen. |
| 20' | CM-Stelle & Abschluss | Vorstellung Case Manager/in, Kontaktweg, FAQ; jede Führungskraft nennt einen konkreten Vorsatz. Abgabe Merkblatt Führungskräfte. |
Szenariokarten für die Gesprächsübung (Beispiele)
- Szenario 1 — Rückkehrgespräch: Mitarbeiter M. war zwei Wochen weg («Rücken»). Es ist die dritte Absenz in vier Monaten. M. wirkt angespannt und erwartet Vorwürfe. Aufgabe: Gespräch nach der 4-Punkte-Struktur führen, ohne nach der Diagnose zu fragen — und den Arbeitsbezug herausarbeiten (M. hebt täglich schwere Kisten, das Hilfsmittel ist seit Monaten defekt).
- Szenario 2 — Fürsorgegespräch: Mitarbeiterin K. ist seit Wochen still, macht Flüchtigkeitsfehler, sagt Teamanlässe ab; letzte Woche zweimal kurzfristig krank. Aufgabe: Beobachtungen wertschätzend ansprechen («mir ist aufgefallen …»), zuhören, ein Angebot machen — ohne Diagnose-Spekulation («Burnout?») und ohne Druck.
Materialien & Erfolgskontrolle
- Foliensatz (Zahlen, Prozess, Rollen) · Merkblatt Führungskräfte als Handout · Fristenraster und Leitfaden Rückkehrgespräch aus den Downloads · Szenariokarten.
- Feedbackbogen am Schluss (Verständlichkeit, Sicherheit für die Gesprächsführung, offene Fragen) — Ergebnisse fliessen in die nächste Durchführung ein.
- Wirksamkeitskontrolle im Betrieb: Zeit-bis-Kontakt und Zeit-bis-Triage im Bereich vor/nach der Schulung vergleichen (M7).
Vorlage · Startpunkt zum Anpassen
Merkblatt für Mitarbeitende: «Case Management bei [Firma]»
Verwendung: Belegschafts-Kommunikation aus M6 — als Intranet-Seite, PDF-Beilage zum Lohnbrief oder Onboarding-Unterlage. Der Text unten ist bewusst fertig formuliert; ersetze die Platzhalter.
Wir lassen Sie nicht allein
Wenn Sie wegen Krankheit oder Unfall längere Zeit ausfallen, geht es um viel: Ihre Gesundheit, Ihre Stelle, Ihre finanzielle Sicherheit. Damit Sie in dieser Situation nicht alles selbst koordinieren müssen, gibt es bei [Firma] das Case Management: eine Fachperson, die Sie unterstützt, den Überblick behält und gemeinsam mit Ihnen Ihre Rückkehr plant.
Wann kommt das Case Management auf mich zu?
In der Regel, wenn Sie länger als 30 Tage arbeitsunfähig sind oder mehrmals hintereinander ausfallen. Unsere Case Managerin / unser Case Manager [Name] meldet sich dann bei Ihnen — unverbindlich und zuerst einfach zum Zuhören. Sie können sich auch jederzeit selbst melden: [Telefon, E-Mail].
Die häufigsten Fragen
- Muss ich mitmachen? Nein. Die Teilnahme ist freiwillig, und Sie können sie jederzeit beenden. Ihre Ansprüche auf Lohnfortzahlung und Taggeld hängen nicht davon ab. (Unabhängig davon gelten die üblichen Pflichten wie das Einreichen von Arztzeugnissen.)
- Wer erfährt was über mich? Nur, was Sie schriftlich erlauben. Zu Beginn legen wir gemeinsam fest, wer mit wem sprechen darf. Ihre Diagnose gehört nicht dazu: Ihre Führungskraft und HR erfahren nur, was Sie arbeiten können und was angepasst werden soll — nie, woran Sie erkrankt sind.
- Was passiert mit meinen Daten? Das Case Management führt eine separate, vertrauliche Fallakte, getrennt von Ihrem Personaldossier. Niemand sonst hat Zugriff. Nach Abschluss wird die Akte nach [X Jahren] gelöscht. Sie können Ihre Akte jederzeit einsehen.
- Was bringt es mir konkret? Eine Person, die alles koordiniert (Versicherung, IV, Ärzte, Betrieb), damit Sie sich auf Ihre Genesung konzentrieren können; einen fairen, gestuften Wiedereinstieg statt «von 0 auf 100»; und frühzeitige Klärung der finanziellen Fragen (Taggeld, allenfalls IV-Leistungen), bevor Lücken entstehen.
- Hat das Einfluss auf meine Anstellung? Das Case Management ist ein Unterstützungsangebot und kein Beurteilungsinstrument. Die Case Managerin / der Case Manager ist nicht an Kündigungs- oder Beförderungsentscheiden beteiligt.
- An wen wende ich mich? [Name, Funktion, Telefon, E-Mail, Büro]. Vertraulich und auch für Fragen, bevor etwas «gross» wird.
[Firma], [Datum] — dieses Merkblatt gehört zum Reglement Betriebliches Case Management vom [Datum].
Hinweise zur Anpassung: Ton bewusst nah und konkret halten (kein Verwaltungsdeutsch); die Freiwilligkeit und der Diagnose-Schutz sind die zwei Punkte, die am meisten Vertrauen schaffen — nicht kürzen. Vor Publikation juristisch prüfen lassen und mit dem Sozialpartner abstimmen (M6).
Vorlage · Startpunkt zum Anpassen
Merkblatt für Führungskräfte: Ihre Rolle im Case Management
Verwendung: Handout der Führungskräfte-Schulung, Spickzettel fürs Pult. Ideal als eine A4-Seite, beidseitig.
Ihre Rolle in fünf Punkten
- Sie sind die erste Anlaufstelle: Krankmeldungen kommen zu Ihnen, persönlich.
- Sie halten wohlwollenden Kontakt während der Absenz — Interesse zeigen, nicht kontrollieren.
- Sie führen Rückkehrgespräche nach jeder Absenz und Fürsorgegespräche bei Warnsignalen.
- Sie setzen Stufenpläne im Team um und schützen die vereinbarten Schongrenzen.
- Sie erkennen früh und übergeben rechtzeitig an die CM-Stelle — Fallführung ist nicht Ihre Aufgabe.
Ihre Fristenkarte
- Tag 1: Krankmeldung entgegennehmen, Absenz im System erfassen.
- Tag 3–5: anrufen: «Wie geht es Ihnen? Was können wir tun?» Kontaktrhythmus vereinbaren.
- Tag 14: HR ist informiert, Arztzeugnis liegt vor.
- Tag 30: die CM-Stelle übernimmt die Triage — Sie bleiben im Kontakt.
- Jederzeit: bei Warnsignalen (Rückzug, Leistungsknick, häufige Kurzabsenzen) Fürsorgegespräch führen und im Zweifel die CM-Stelle beiziehen.
Das Rückkehrgespräch in vier Schritten
1) «Schön, sind Sie wieder da — wie geht es Ihnen?» · 2) Kurz-Update aus dem Team · 3) «Gibt es etwas an der Arbeit, das zur Absenz beigetragen hat? Sollen wir etwas anpassen?» · 4) Vereinbarungen festhalten. — 10 bis 15 Minuten, unter vier Augen, bei allen gleich.
Was Sie nie tun
- Nach der Diagnose fragen — auch nicht beiläufig. Sie dürfen wissen, was jemand kann, nicht was jemand hat.
- Gesundheitsinformationen notieren, im Team erzählen oder in Beurteilungen einfliessen lassen.
- Druck aufbauen oder mit Konsequenzen drohen — das ist weder Ihre Rolle noch wirksam.
- Bei psychischen Themen «therapieren» — Sie schaffen gute Arbeitsbedingungen, die Behandlung machen Fachleute.
Ihre Ansprechperson
Case Management: [Name, Telefon, E-Mail]. Lieber einmal zu früh anrufen als einmal zu spät.
Hinweise zur Anpassung: Fristen an euer Fristenraster angleichen; auf eine Seite kürzen, was nicht zwingend ist — dieses Blatt wirkt durch Griffigkeit. Vertiefung für Interessierte: M4 (Prozess) und M5 (Gespräche).
Vorlage · Startpunkt zum Anpassen
Quartalsreport BCM an die Geschäftsleitung
Verwendung: das Reporting aus M7 — 1–2 Seiten, quartalsweise, Verteiler GL und HR-Leitung, Klassifizierung «vertraulich». Die Beispielzahlen unten zeigen den Detaillierungsgrad; ersetze sie durch eure Werte.
Kopf
BCM-Quartalsreport Q[X]/20[XX] · Verfasst: [Case Manager/in], [Datum] · Verteiler: GL, Leitung HR · Vertraulich — Zahlen unterhalb der Aggregationsgrenze (20 Personen) werden nicht ausgewiesen.
1 · Management Summary (3 Sätze)
Beispiel: «Die Absenzquote liegt mit 4,1 % um 0,3 Punkte unter dem Vorjahresquartal. 14 laufende CM-Fälle, davon 5 in der Wiedereingliederung; die Zeit bis zur Triage hält mit Ø 26 Tagen erstmals die 30-Tage-Vorgabe ein. Handlungsbedarf besteht bei den psychisch bedingten Langzeitfällen im Bereich [X] — Antrag siehe Ziffer 6.»
2 · Kennzahlen
| Kennzahl | Q aktuell | Q Vorjahr | Trend / Kommentar |
|---|---|---|---|
| Absenzquote gesamt | 4,1 % | 4,4 % | ↘ rückläufig, v. a. Langzeit |
| davon Langzeit (> 30 Tage) | 1,6 % | 2,0 % | ↘ Wirkung der frühen Triage |
| CM-Fälle eröffnet / laufend / abgeschlossen | 6 / 14 / 5 | 8 / 17 / 3 | Auslastung CM-Stelle: gut |
| Zeit bis Triage (Ø Tage) | 26 | 41 | ↘ Vorgabe (30) erreicht |
| Falldauer abgeschlossene Fälle (Ø Tage) | 148 | 176 | ↘ |
| Wiedereingliederungsquote (6 Mte nach Abschluss) | 71 % | 64 % | ↗ 5 von 7 nachhaltig zurück |
3 · Fallportfolio nach Abschluss-Szenario
Beispiel: Von 5 abgeschlossenen Fällen: 3 × Szenario A (Rückkehr angestammt), 1 × Szenario B (angepasste Funktion, mit IV-Einarbeitungszuschuss), 1 × Szenario C (geordnete Trennung mit Übergabe an IV-Berufsberatung).
4 · Fallvignetten (anonymisiert, je 3–4 Sätze)
Beispiel: «Mitarbeiter, 50+, gewerblicher Bereich, nach Operation 4 Monate abwesend. Dank IV-Arbeitsversuch und angepasstem Aufgabenprofil seit 6 Wochen wieder zu 80 % im Einsatz; Vollpensum per [Monat] realistisch. Gelernt: Der frühe Einbezug der IV-Eingliederungsfachperson hat rund 2 Monate gespart.»
5 · Engpässe & Risiken
Beispiel: «Häufung psychisch bedingter Fälle im Bereich [X] (oberhalb Aggregationsgrenze) — Hinweis auf Belastungssituation, Abklärung mit Bereichsleitung läuft. Rückmeldung Versicherer: Schadenmeldungen aus Bereich [Y] treffen wiederholt verspätet ein.»
6 · Anträge an die GL
Beispiel: «1) Freigabe Team-Workshop Arbeitsorganisation Bereich [X] (CHF …); 2) Kenntnisnahme: KTG-Prämienverhandlung im [Monat] — der verbesserte Schadenverlauf wird eingebracht.»
Jährliche Ergänzung (Q4 / Jahresbericht)
Zusätzlich: Entwicklung KTG-Prämiensatz und Schadenverlauf · Jahres-Wiedereingliederungsquote · Kosten-Nutzen-Schätzung (Rechenmodell M7) · Erkenntnisse für die Prävention · Ziele Folgejahr.
Hinweise zur Anpassung: Nie unter der Aggregationsgrenze berichten, keine Diagnosen in Vignetten, Trends statt Einzelwerte betonen. Der Report ist auch dein Instrument, um das GL-Commitment lebendig zu halten (M6) — deshalb immer mit konkreten Anträgen schliessen.